Castillo Hotel Son Vida, a Luxury Collection Hotel, Mallorca

4.7 (180 Bewertungen)

C/Raixa 2, Urbanizacion Son Vida, Palma de Mallorca, Balearen, 07013, Spanien   •   Lokale Uhrzeit:     •  Telefon: +34 971 493 493  

4.7

Kunst im Castillo Hotel Son Vida

Von Morell über Anckermann bis Ribas

Fausto Morell y Bellet (1851 – 1928)

Bedeutung und Werk

Fausto Morell war für seine exquisiten Nachahmungen des flämischen Stils des 15. Jahrhunderts bekannt. Seine bedeutendsten Gemälde sind historischen Begebenheiten, religiösen Szenen und dem Porträt gewidmet.


Familiengeschichte und Familienumfeld

Er war Nachkomme eines sehr bekannten Adeligen der Insel: Fürst Orlandis, Erbauer des Casal Solleric (18. Jh.), heute städtisches Kulturzentrum am Passeig d’es Born. Er wuchs in einer sehr kunstsinnigen Familie auf: Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts war das Casal Solleric bereits ein privates Kulturzentrum, in dem man sich zu Gesprächsrunden und künstlerischen Veranstaltungen traf. Zu den Besuchern zählten neben Autoren, Musikern und Malern auch die österreichische Kaiserin Elisabeth (Sisi), die in Begleitung ihres Verwandten Erzherzog Ludwig Salvator, und natürlich incognito zu einer Besichtigung von Fausto Morells Atelier erschien.


Freundeskreis

Zum Freundeskreis von Fausto Morell y Bellet gehörten neben dem erwähnten Erzherzog, den er auch porträtierte, der Musiker Pau Casals, der Poet Miguel Costa y Llobera und Ricard Anckermann. Fausto Morell intervenierte bei mehreren Gelegenheiten, als zwischen dem damaligen Hausherrn von Son Vida, Fernando Truyols, und Ricard Anckermann wegen der Ausgestaltung des Speisezimmers Differenzen auftraten. Eine markante Eigenheit Fausto Morells bestand darin, Freunde – wie Pau Casals oder Erzherzog Ludwig Salvator- zu sich ins Atelier einzuladen und während des Malens angeregte Gespräche zu führen, die sich oft um das Thema des in Arbeit befindlichen Bildes drehten.


Der andere Fausto Morell

Es gibt einen zweiten wichtigen Maler namens Fausto Morell: Fausto Morell y Orlandis. Er war der Vater des besprochenen Künstlers. Beide genossen das Privileg, als Erben einer reichen Adelsfamilie unabhängig von Kunden und deren Geschmack zu sein und sich somit als Künstler stilistisch und thematisch frei entfalten zu können.

Triumphaler Einzug des Königs Jaume I in der “Ciutat de Mallorca”

Triumphaler Einzug des Königs Jaume I in der “Ciutat de Mallorca”

Die Schlacht von Llucmayor

Die Schlacht von Llucmayor

Erzherzog Karl von Österreich

Erzherzog Karl von Österreich

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel

KUNSTWERK

Triumphaler Einzug des Königs Jaume I in der "Ciutat de Mallorca"

Die Szene spielte sich am 31. Dezember 1229 ab und wird bis heute alljährlich am selben Ort gefeiert: Der Einzug von Jaume I., Anführer einer katalanisch-aragonischen Armee, die die arabischen Herrscher der Insel besiegt und somit Mallorca für das Christentum rückerobert. Im Bild ist die Stimmung der Momente unmittelbar nach der Schlacht spürbar. Man sieht Feuer, am Boden liegen Verwundete und Tote, und im Hintergrund steht das Tor, von den Arabern “Bab el Kofol” genannt, durch das die Katalanen in die Stadt eingedrungen waren. Beeindruckend ist neben der dichten Atmosphäre das Gleichgewicht zwischen Autentizität in der Darstellung und einer von Ästhetik getragenen Ordnung der Figuren und anderer Bildelemente.

Anekdote: Anlässlich des Besuchs des saudi-arabischen Königs Faisal im Jahr 1967 lieb die Hoteldirektion das Gemälde verhängen, um die Gefühle des Gastes nicht zu verletzen. Jahre später hatte das Son Vida einen damals begleitenden Minister zu Gast, den das verhangene Bild schon beim ersten Besuch neugierig gemacht hatte. Er betrachtete es und meinte dann, die Rücksichtnahme sei zwar nett, aber nicht notwendig gewesen, denn es handle sich ja um ein historisches Ereignis.


Die Schlacht von Llucmayor

Das Gemälde stellt ebenfalls ein prägendes Ereignis in der Geschichte der Insel dar, nämlich die Schlacht von Llucmayor. Mit der Niederlage von Jaume III besiegelte sie 1349 den Untergang des Königreichs von Mallorca.


Erzherzog Karl von Österreich un seine Gattin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel

Diese Gemälde waren mit Sicherheit Auftragsarbeiten. Im spanischen Erbfolgekrieg schlug sich ein erheblicher Teil des mallorquinischen Adels auf die Seite des Habsburger Anwärters, nämlich des hier dargestellten Karl. Der Marqués de la Torre, Nicolás Truyols, war einer der glühendsten Anhänger des Habsburgers und wurde von den mallorquinischen Adeligen auserwählt, dem Erzherzog die Treueerklärung Mallorcas zu überbringen (1707). Ein Nachfolger dieses Mannes, Fernando Truyols, erbaute Son Vida und beauftragte Ricard Anckermann mit der Ausgestaltung des Speisezimmers. Er war es auch, der Fausto Morell die beiden historischen Gemälde abkaufte und die beiden Porträts in Auftrag gab. Im Kampf um den spanischen Thron unterlag Erzherzog Karl, der später als Karl VI zum Kaiser von Österreich gekrönt wurde. Auf diesem Ganzkörper-Porträt des Erzherzogs ist im Hintergrund das Wappen der Habsburger zu sehen. In beiden Gemälden wird die Verehrung des mallorquinischen Adels für diese beiden Persönlichkeiten noch lange nach dem Ende des Erbfolgekriegs spürbar.

Ein wichtiger Grund für diese Verehrung war die föderalistische Einstellung der Habsburger, während die Bourbonen das Modell eines zentralistischen Staates favorisierten.


Ricard Anckermann (1842 – 1907)

Bedeutung und Werk

Ricard Anckermann gilt als einer der bedeutendsten mallorquinischen Künstler aller Zeiten und als der definitiv wichtigste der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.  Die Ausgestaltung des Speisezimmers in Son Vida war sein letztes grobes Projekt, er vollendete es drei Jahre vor seinem Tod. Das einzige vergleichbare Werk Anckermanns ist der Ballsaal des elitären Gesellschaftsvereins “Círculo Mallorquín”, eine Arbeit gröberen Umfangs, mit der Anckermann zur Gallionsfigur der insularen Kunstszene aufstieg. Das Gebäude des “Círculo Mallorquín” beherbergt heute das Balearische Parlament, die Gemälde und Dekorationen des Malers schmücken also den Prunksaal der höchsten Institution dieser Autonomen Region.


Familiengeschichte

Der Familienname dieses 1842 in Palma de Mallorca geborenen Künstlers weist auf die deutsche Abstammung hin. Der Grobvater Anckermanns war Karl Angermann, der sich Ende des 18. Jahrhunderts als Waffenmeister von einem schweizerischen Regiment rekrutieren lieb. Dieses Regiment vermietete seine Dienste an die spanische Krone und wurde nach Palma verlegt. Die Veränderung des Namens Angermann erklärt sich aus Fehlern von Beamten beim Schreiben des ungewohnten Namens und aus der Tendenz, die Orthografie der spanischen Aussprache anzupassen. Ricard Anckermanns Vater war Jordi Angermann/Ankermann (es gibt gut ein Dutzend Varianten des Familiennamens), seinerseits Waffenmeister eines mallorquinischen Landwehrbataillons.


Leben

Das Talent des jungen Ricard Anckermann fiel sofort auf. Nach ersten Studien und einer sehr kurzen Karriere als Stadtrat von Palma flüchtete er vor der Politik nach Paris, um sich dort wieder nur den Künsten zu widmen. Als ihm das Geld ausging, verschaffte ihm sein Bruder, der als Ingenieur den Bau eines Dampfschiffs in England beaufsichtigte, einen Job als Dekorateur und mit demselben Schiff, das später unter dem Namen “Lulio” den Liniendienst zwischen der Insel und dem Festland aufnahm, kehrte Anckermann zurück und begann eine glänzende Karriere als Künstler und Kunstlehrer.


Allrounder

Ricard Anckermann war ein unglaublich vielseitig interessierter Mensch, der sich auch als Künstler in den verschiedensten Stilrichtungen und Themen, mit den verschiedensten Formaten und Materialien wohl fühlte und es als Allrounder zu grober Meisterschaft brachte.


Andere Interessen

Daneben ging er anderen Aktivitäten durchaus ernsthaft nach. So liebte er Musik nicht nur als passiver Hörer, sondern spielte Violoncello und schuf sogar Kompositionen. Eine davon schickte er seinem Bruder Carles, der Orchesterleiter des Theaters Tacón in der kubanischen Hauptstadt Hawanna war. Andere Leidenschaften waren die Literatur und die Geschichtsforschung. Auf dem letztgenannten Gebiet veröffentlichte er zwei Arbeiten.

KUNSTWERK

Ausgestaltung des Speisesaales des Anwesens Son Vida

Zur Jahrhundertwende beauftragte Ferran Truyols, der Marqués de la Torre und Eigentümer von Son Vida, Ricard Anckermann mit der Ausgestaltung des Speiseraumes. Vier Jahre lang arbeitete der Künstler an diesem letzten groben Projekt. Das Werk besteht aus Leinwänden, die auf Rahmen montiert sind und die Wände des Raumes abdecken. Gezeigt werden insgesamt zehn Bilder eines königlichen Jagdausflugs im 18. Jahrhundert. Die Szenen zeigen: Den Aufbruch vom Schloss, die Reise ins Jagdrevier, die Verfolgung von Jagdwild, das Durchgehen eines Pferdes, Prinz und Braut, Küche unter freiem Himmel, Bankett, Tanz, Spiel und die Rückkehr ins Schloss. Anders als bei vorherigen Werken verzichtet der Maler hier zur Gänze auf bedeutungsträchtige Symbolik und konzentriert sich ganz auf eine naturalistische Darstellung ohne Hintergedanken.

 


Antoni Ribas (1845 – 1911)

Der Künstler

Antoni Ribas ist das Beispiel für einen Künstler, der trotz seines enormen Talents den Sprung in den internationalen Kunstmarkt nicht vollzog, weil er die Sicherheit einer festen Anstellung zu Hause dem riskanten Künstlerdasein in der Fremde vorzog. Dabei war ihm mit der Goldmedaille der Ausstellung der Academia de Bellas Artes in Barcelona 1866 ein Sensationserfolg gelungen. Gegen die Phalanx der etablierten katalanischen Künstler, die sich dem dominierenden historischen Romantizismus verschrieben hatten, trat der 21-jährige unbekannte Mallorquiner mit einer naturalistischen Landschaftsdarstellung an und gewann den ersten Preis. Ribas hat mit dieser Leistung die Revolution der spanischen Malerei hin zum realistischen Landschaftsbild zwar nicht ausgelöst, aber verstärkt und konsolidiert.


Leben

Nach seinem Erfolg in Barcelona wurde er 1868 Bühnenbildner am Teatro Príncipe de Asturias in Palma und ab 1872 arbeitete er als Kunstprofessor an der Academia de Bellas Artes, ebenfalls in Palma. Als Künstler wurde er schon in jungen Jahren mit Ehrentiteln bedacht. Gegen Ende seiner Karriere allerdings litt Ribas, der einstige Erneuerer, unter dem Image einer Gallionsfigur der etablierten akademischen Malerei, gegen die zur Jahrhundertwende die Anhänger des Modernismus antraten. Ribas war mit O’Neille, Ricard Anckermann und Fausto Morell befreundet, mit denen er 1876 eine Künstlervereinigung gründete (Fomento de la Pintura y Escultura).

KUNSTWERK

Die Landung bei Santa Ponça

Das Bild scheint dem oben Gesagten zu widersprechen, stellt es doch eine historische Szene dar, und dazu einen Schlüsselmoment der Inselgeschichte, nämlich die Landung der katalanisch-aragonischen Armee in Santa Ponsa am 10. September 1229. Allerdings ist das Gemälde nicht im Stil des historischen Romantizismus gemalt, der drohende Wolkenberge und eine Behandlung der wichtigeren Akteure aus nächster Nähe verlangt hätte. Vielmehr handelt es sich um ein realistisches Landschaftsbild, das trotz der Bedeutung des Ereignisses die Hauptrolle spielt. Nur als verstreute Umrisse kann man die christliche Flotte in der Bucht erkennen, während arabische Späher sich im Schatten der Bäume niedergelassen haben und lediglich einige Reiter deutlicher zu erkennen sind, auch sie nicht in theatralischer Pose, sondern wie auf einer fotografischen Momentaufnahme. Trotz der Abwesenheit dramatisierender Elemente liegt eine ungreifbare Spannung in der Luft. Es ist der Moment unmittelbar vor einer historischen Auseinandersetzung, die zweieinhalb Monate später, am 31. Dezember, mit dem Einzug von Jaume I in Madina Mayurqa (das damalige Palma) münden sollte (siehe Anckermann-Gemälde).

 


Juan Pantoja de la Cruz (1553 – 1608)

Der Künstler

Juan Pantoja de la Cruz zählt zu den führenden Portraitmalern im Spanien des ausgehenden 16. Jahrhunderts und ist ein Exponent der spanischen Renaissancemalerei. Er wurde 1598 mit dem Antritt Philips III zum Hofmaler des Königs ernannt.

KUNSTWERK

Don Pedro Enriques de Avecedo, Graf von Fuentes

Dargestellt ist das Ganzkörperportrait des Grafen in halber Rüstung. In einer Hand hält er einen Herrscherstaat. Diese Haltung und das fast bühnenhafte Auftreten vor einer mit Samt drapierten Kulisse war Ende des 16. Jahrhunderts in der nordeuropäischen Portraitmalerei in Mode. Der Graf von Fuentes (1535-1610) ist eine legendäre Gestalt der spanischen Geschichte. Er war ebenso intelligent wie brutal, und auf dem Schlachtfeld ein berüchtigter Haudegen.

Als Oberbefehlshaber von Portugal leitete er 1589 die Verteidigung Lissabons gegen die Angriffe von Sir Francis Drake. 1592 wurde er nach Flandern geschickt und zum Generalgouverneur der spanisch besetzten Niederlanden ernannt. Danach bewies er seine Fähigkeiten als Staats- und Kriegsberater, als Hauptbefehlshaber der Armee des gesamten Spanischen Reiches und später als Gouverneur von Mailand und der Lombardei.


Portraits der Spanischen Schule

Isabel de Borbón

Isabel de Borbón

Prinz Felipe

Prinz Felipe

Isabel de Borbón

Isabel de Borbón

Prinz Felipe

Prinz Felipe

Bartolomé González zugewiesen, 1564 – 1627

Bedeutung und Leben des Künstlers

Beide Portraits werden Bartolomé González zugeschrieben, ein Portraitmaler, der ab 1616 am Königlichen Hof beschäftigt war, Juan Pantoja de la Cruz folgte und direkter Konkurrent des jungen Velázquez war.

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